Black & White

Dass man zu einer Weißwurst ein Weißbier trinkt, ist in Bayern Gesetz. Iren fühlen sich gemeinhin nicht als bayerische Staatsbürger, weswegen sie sich …… mitunter das Recht heraus nehmen, hierzulande geltende Regeln zu brechen. So kam es, dass ich neulich bei Jim im Pub mit großem Erstaunen auf einer der vielen Tafeln las, dass er jetzt auch Weißwürste anbietet. Vorzugsweise zum Frühschoppen vor Spielen des FC Augsburg. Plötzlich bekam ich Lust auf diese „Bavarian Veal Sausages“, zumal mir rote Bohnen in Tomatensoße am frühen Morgen ohnehin suspekt sind. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings schon mein Guinness bestellt und konnte, weil ich grundsätzlich kein Quertrinker bin, nicht so einfach auf Weißbier umsteigen. Also bayerische Weißwürste zu dunklem, irischen Bier? Mir erschien die Vorstellung absurd, aber dennoch einen Versuch wert. Als sich wenige Minuten beides in meinem Mund vereinte, als das ölige Bier auf zarte Petersilien-Spuren in gepresstem Kalbsbrät traf, war ich baff erstaunt. Die rauchige Note des angekohlten Malzes verlieh der heimischen Wurstspezialität eine nicht uninteressante Note, einen internationalen Charakter. Kurzum: Ich kam in den Genuss eines europäischen Geschmackserlebnisses. Und das mitten in Augsburg, am Roten Tor, im Herzen der Stadt, bei Jim, in meinem Wohnzimmer. Ich liebe die Globalisierung, vor allem dann, wenn sie bei mir um die Ecke und in meinem Mund passiert. Wenn sie glücklich macht. Darauf ein herzhaft-bayerisches Prost!
Peter Hummel

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