Heimatgefühle

Es ist hinlänglich bekannt, dass Jims Pub für viele Menschen so etwas wie ihr zweites Wohnzimmer ist. Wenn nicht gar ihre eigentliche Heimat. Mir geht es nicht selten so. Neulich zum Beispiel bat mich meine Frau, Getränke zu holen. Und anstatt in den Keller zu gehen, schwang ich mich auf mein Fahrrad, radelte zum Roten Tor, setzte mich an die Theke und bestellte ein Guinness für mich, einen Rotwein für meine Liebste und zwei Limonaden für die Kinder. Da klingelte mein Handy: „Papa“, sagte meine Tochter, „wo bist du denn? Wir haben voll Durst.“ Mist, wie redet man sich aus so einem Versehen wieder heraus? „Wollt ihr nicht kurz zu Jim kommen?“, schlug ich vor. „Nici füllt eure Gläser gerade auf.“ Fünf Minuten später hatte sich die ganze Familie um den runden Tisch unterhalb des Fernsehers versammelt, man bestellte zwei Körbe Pommes und schaute mit einem halben Auge Fußball. Okay, ich schaute Fußball. Mit zwei halben Augen. Irgendwann sagte ich zu meiner Frau: „Schatz, ich könnte später, als kleine Wiedergutmachung, unsere Wäsche bügeln.“ Woraufhin sie mich fragte, ob es hier im Pub neuerdings ein Bügelbrett gebe. Gibt es noch nicht. Wäre aber eine Idee.

Peter Hummel

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