Bierseeligkeit

Eigentlich weiß man doch, was für ein Typ Biertrinker man ist. Der eine mag Weizen, der andere Helles, die einen lieben Flaschenbier, die anderen Pils. Entsprechend knapp fällt in der Regel die Bestellung beim Servicepersonal aus: „Ein … bitte.“ Oder: „Bring mir ein …“. Oder: „Wie immer.“ Leider funktioniert das bei Jim im Pub nicht ganz so reibungslos, jedenfalls bei mir nicht, denn komischerweise mache ich dort die Bierbestellung mehr als anderswo von meiner Stimmung abhängig.

Guinness zum Beispiel schmeckt mir besonders gut an regnerischen Tagen, an denen der Wetterbericht meldet, dass es drei weitere Tage regnet. Das Tannenzäpfen passt perfekt zu Fußballspielen des FC Augsburg am Sonntag Nachmittag, weil uns die rotbackige Dame auf dem Etikett daran erinnert, dass es irgendwo tatsächlich eine heile Welt gibt. Das Dunkle von König Ludwig ist ein Bier für emotionale Pokerabende, weil es den Gegnern vorgaukelt, dass derjenige, der es trinkt, adeligen Anstand hat und niemals blufft. Das Helle aus Freising ist ein ideales After-Work-Bier, denn es bildet nahezu keine Bierfahne, was einer harmonischen Ankunft bei Frau und Kindern zuträglich ist. Das Eisbär-Weizen ist ein typisches Samstags-Bier, denn es verursacht keine Kopfschmerzen, was für den nächsten Tag entscheidend ist, denn am Sonntag haben keine Apotheken zwecks Aspirin-Nachschub auf. Aus diesem Grund kann der Augustiner Edelstoff an allen Tagen getrunken werden, Samstage jedoch ausgeschlossen. 

Peter Hummel

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